Corona und Pflegeausbildung

Corona stellt den Pflegebereich vor besondere Herausforderungen. Die Arbeit mit Risikogruppen, umfangreiche Schutz- und Hygienemaßnahmen sowie eingeschränkte Kontaktmöglichkeiten für pflegebedürftige Menschen gehören derzeit zum Alltag. Was heißt das für die Pflegeausbildung?

Wir haben mit dem Koordinator der zentralen Ausbildung Sascha Lippert aus der Vereinten Martin Luther + Althanauer Hospital Stiftung Hanau über seinen Alltag in Zeiten von Corona gesprochen.

Lieber Herr Lippert, Inwiefern hat sich die Pflegeausbildung in Ihrer Einrichtung durch Corona verändert?

Durch die vorübergehende Schließung unserer Pflegeakademie kehrten unsere Schüler*innen zunächst zu ihren praktischen Trägern der Ausbildung zurück. Das heißt, in kürzester Zeit musste die gesamte Einsatzplanung überdacht und angepasst werden. Mit dem Beginn des Besuchsverbots für Angehörige in den Pflegeeinrichtungen änderte sich natürlich auch für unsere Auszubildenden der Alltag auf den Wohnbereichen und Wohngruppen. Als Team galt es von nun an, neben der Pflege im besonderen Maße für unsere Bewohner*innen als Gesprächspartner und vertraute Person da zu sein und trotz des Besuchsverbots möglichst viele schöne Momente im Alltag zu ermöglichen.

Was ist derzeit Ihre wichtigste Aufgabe als Praxisanleitung?

Für die Schüler*innen als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, mit ihnen über die neue Situation zu sprechen und sie aufzuklären. Zudem mussten wir schnellst möglich unter den strengen Auflagen der neuen Hygienevorschriften eine Möglichkeit finden, die Schüler*innen in der einjährigen Ausbildung für ihr Examen vorzubereiten. Trotz der momentanen Situation haben alle bestanden. Einfach schön! 

Im Fernsehen wurde von den Anstrengungen für Pflegekräfte berichtet. Wie erleben Sie die besonderen Herausforderungen für Auszubildende in Zeiten von Corona?

Die neue Situation im Umgang mit dem Virus war eine psychische Belastung. Aber unserer Schüler*innen haben viel Wertschätzung von ihrem Umfeld erfahren. Das hat sie verdientermaßen Stolz gemacht und sie zusätzlich motiviert. Dazu beigetragen haben viele selbstgemalte Bilder von Kindern, liebevolle Briefe von Angehörigen und kleine Aufmerksamkeit von zahlreichen Unternehmen aus der Region. Des Weiteren freuen sich unsere Schüler*innen sehr darüber, dass die Pflege durch die Krise mehr Wertschätzung erfährt und auch im Freundeskreis das notwendige Ansehen erhält. Viele Auszubildende sind in der momentanen Situation besonders stolz darauf, ein Teil ihres Teams zu sein und für die Bewohner*innen da zu sein. 

Was tun Sie in Ihrer Einrichtung, um Azubis vor einer möglichen Ansteckung zu schützen?

Alles, was in unserer Möglichkeit steht. Die Abzubildenden werden von unserem Corona-Krisenstab nahezu täglich über unser Intranet über Neuigkeiten informiert. Neben zahlreichen Hygieneschulungen wurde zudem das Rotationsverfahren im Rahmen der Außeneinsätze vorübergehend ausgesetzt. Das heißt, die Schüler*innen sind einer festen Einrichtung zugeordnet. Dank der Unterstützung vieler Kooperationspartner und Unternehmen aus der Region konnten wir unsere Schüler*innen von Anfang an mit ausreichend Schutzkleidung und Desinfektionsmittel ausstatten.

Was möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die noch etwas unentschlossen sind, ob Pflege der richtige Beruf für sie ist?

Auch in der momentanen Situation zeigt sich, dass kaum ein anderer Beruf so wichtig und wertvoll für unser Gesundheitssystem und die Bevölkerung ist. Jeder Tag in der Ausbildung bietet die Möglichkeit, für andere Menschen da zu sein, ihnen zu helfen und etwas Gutes zu tun. Die letzten Wochen und die damit verbundenen Besuchsverbote in Pflegeeinrichtungen zeigten zudem, welch eine unverzichtbare Rolle Auszubildende im Gesundheitssystem einnehmen. Ihre tägliche Anwesenheit sorgte bei den Bewohner*innen für ein Lächeln und lenkte sie für einen Moment vom „Cornoa-Alltag“ ab. Nicht umsonst werden die Auszubildenden derzeit neben Hulk, Spiderman und Ironman als die neuen Helden bezeichnet. Werden auch Sie ein Held!

"Ich hatte noch nie Zweifel ..."

"... dass Pflege mein richtiger Beruf ist." Das sagt Celine Müller, Auszubildende der DiaCom Altenhilfe in Eschwege. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Kimberly Dreiseitel berichtet Sie im Video über die derzeitigen Herausforderungen.

Corona hin oder her, da sind sich beide einig: Pflege ist und bleibt der Beruf ihrer Wahl!

Ihr seid da!

Neben den vielen Pflegefachkräften in Krankenhäusern, Altenpflegeheimen und ambulanten Diensten leisten auch die Pflegeauszubildenden gerade Unglaubliches.

Wir haben Lars Ruppel und Livia Warch gebeten ein Gedicht zu schreiben, in dem zum Ausdruck kommt, wie „systemrelevant“ Pflegende für unser Gemeinwesen sind. Es trägt den Titel "Ihr seid da". Und dieses Gedicht haben wir nun verfilmt, weil Bilder bekanntlich eindrücklicher sind, als Worte allein.

Häufige Fragen

  • Was ist der Unterschied zwischen SARS-CoV-2, Coronavirus und COVID-19?

    SARS-CoV-2 ist die offizielle Bezeichnung des „Coronavirus“, COVID-19 die offizielle Bezeichnung der Atemwegserkrankung durch das Virus. Sie wurde erstmals Ende des Jahres 2019 in China (Wuhan) beschrieben, entwickelte sich zu einer Epidemie (regional begrenzt viele Erkrankungsfälle) und breitete sich schließlich weltweit zu einer Pandemie aus (länder- und kontinentübergreifende Krankheitsausbreitung).

  • Wie infiziert man sich mit der Krankheit und welche Auswirkungen hat sie?

    COVID-19 verbreitet sich in der Regel durch Übertragung von Tröpfchen bspw. beim Husten, auch Schmierinfektionen (Kontaktinfektion bei der Berührung von mit Krankheitserregern kontaminierten Gegenständen) sind möglich. Die Krankheitsverläufe sind vielfältig, es gibt symptomlose Infektionen, milde aber auch schwere Verläufe mit Lungenentzündungen und Lungenversagen.

  • Wie kann man sich im Alltag vor einer Infektion schützen?

    Die wichtigste Vorsorge gegenüber einer Erkrankung ist die Einhaltung von Hygieneregeln wie Händereinigung, Abstand halten bis hin zur Nutzung von Mund-Nasen-Masken, bei Infektion sollte eine Quarantäne erfolgen. Das Coronarvirus ist deswegen problematisch, weil es neu ist, daher noch nicht ausreichend Wissen über das Virus existiert und es keinen Impfstoff gibt.

  • Wie schütze ich mich in der Ausbildung vor einer Ansteckung?

    Einrichtungen und Schulen verfügen über spezielle Hygiene- und Schutzkonzepte wie auch Desinfektionspläne, die immer an die aktuelle Situation angepasst werden. Zudem wird dir ausreichend Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt. Nicht zu vergessen: Der beste Schutz ist zu wissen, wie man sich in welcher Situation verhält. Das lernst du in deiner Ausbildung - und hilfst damit zugleich anderen.

  • Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf den Beginn und den Ablauf der Ausbildung?

    Nach derzeitigem Stand startet der nächste Ausbildungskurs in unseren Pflegeschulen und Mitgliedseinrichtungen ganz regulär zum 1. Oktober 2020. Der theoretische Unterricht findet nach den gängigen Hygienevorgaben statt. Schulleiter*innen und Praxisanleiter*innen sind immer über die aktuellen Anforderungen informiert und planen den Ablauf der Ausbildung nach den offiziellen Richtlinien.